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WIE DAS PROJEKT ENTSTANDEN IST

Vor einigen Jahren häuften sich in den USA Selbstmorde von schwulen Teenagern. Der Journalist Dan Savage erstellte daraufhin ein Video, in dem er gemeinsam mit seinem Lebenspartner Terry Miller über sein eigenes Coming-out und seine Erfahrungen spricht. Ihre zentrale Botschaft für LGBTI-Jugendliche war und ist: Es wird besser.

Viele Prominente – von Präsident Barack Obama über Hillary Clinton bis Anne Hathaway, von Ke$ha bis Colin Farrell – unterstützten das Projekt in den USA mit Videobotschaften. Auch ganze Belegschaften stellten Videos online, um Jugendlichen Mut zu geben: Google, Facebook u.v.m. Und tagtäglich werden Videos von den verschiedensten Menschen hochgeladen, um andere Menschen zu helfen.

Mittlerweile gibt es regionale Ableger von “It gets better” schon in zahlreichen Ländern. In Österreich ist eswirdbesser.at seit August 2013 online. Wie beim US-Vorbild geht es darum, LGBTI-Jugendlichen Zuversicht zu geben und Menschen im sozialen Umfeld von LGBTI-Jugendlichen für mehr Akzeptanz und aktive Unterstützung zu gewinnen.

Dahinter stehen engagierte Privatpersonen, die sich zusammengetan, einen Verein gegründet und Menschen aktiviert haben, selbst Grußbotschaften per Video zu erstellen. Wir arbeiten ehrenamtlich und sind überparteilich. Unsere Mission ist es, LGBTI-Jugendlichen Zuversicht zu geben.

AUSGANGSLAGE

Unter homosexuellen Jugendlichen in Österreich ist die Selbstmordrate fünf bis sechs Mal so hoch wie in der allgemeinen Bevölkerung. 17% der Schwulen in Österreich berichten von zumindest einem Suizidversuch in ihren Leben, 5% davon geben an, den Suizidversuch durchgeführt zu haben, weil sie „wegen der Homosexualität in der Schule so viel mitgemacht haben“. Ein Drittel der Jugendlichen leiden unter homophober Repression durch Peers. Für das Nachbarland Ungarn liegen keine solchen Zahlen vor, jedoch ist von einem noch größeren Problem auszugehen. Die öffentliche Akzeptanz von LGBTI ist dort weitaus geringer. (Alle Daten aus der Studie „Out in der Schule“ von Gregor Faistauer und Martin Plöderl, 2006)

WAS WIR TUN

Im Zentrum stehen die Video-Botschaften. Prominente aus Kultur, Sport, Wirtschaft und Gesellschaft sollen als Unterstützer_innen ebenso gewonnen werden wie Politiker_innen, die Video-Statements abgeben. Wir arbeiten mit Organisationen der LGBTI-Community, aber auch mit Jugendberatungsstellen zusammen. Um die Seite zu verbreiten, suchen wir die Zusammenarbeit mit Medien und Veranstaltern.

UNSERE ZIELE

  • - LGBTI-Jugendlichen Zuversicht geben
  • - LGBTI-Jugendliche motivieren, zu sich zu stehen
  • - Menschen im sozialen Umfeld von LGBTI-Jugendlichen für mehr Akzeptanz und aktive Unterstützung gewinnen
  • - Möglichst viele Menschen als Unterstützter_innen gewinnen, die als Role Models oder zumindest als Zuversichtspender fungieren

 

HINTERGRUNDINFOS

Weltweit ist Bullying an vielen Schulen unter den SchülerInnen weit verbreitet. Bullying meint hier die oft anhaltende, wiederholte und häufige, psychische, verbale oder körperliche Unterdrückung einer Person, durch eine stärkere Person oder Gruppe, mit der Absicht das Opfer zu schädigen, weil diese anders ist oder Eigenschaften besitzen die abgelehnt werden. Dieses Ausgeliefertsein an diese Gruppe ist deshalb so dramatisch, da es zur evolutionären Grundausstattung des Menschen gehört, als soziales Wesen akzeptiert gewollt zu werden und Ausschlusserfahrungen als existentielle Bedrohungen erlebt werden können. Gerade im Fall von SchülerInnen nimmt die Schulklasse eine besonders große Rolle ein, da zunehmend mehr Zeit in der Schule verbracht wird und weniger alternative Kontakte gegeben sind. Im speziellen Fall des homophob motivierten Bullyings, das oft auf der irrationalen Ablehnung von Homosexualität beruht und häufig mit Angst, Ekel oder Hass einhergeht, sind homosexuelle Jugendliche in vielen Fällen auf sich alleine gestellt. Oft haben eben diese Jugendliche ihr “Coming Out” (Prozess der Bewusstwerdung und Akzeptanz der eigenen sexuellen Orientierung und das anschließende Mitteilen an das nähere soziale Umfeld) noch nicht gehabt und es fehlt an AnsprechpartnerInnen oder es wurden bereits ablehnende Erfahrungen in der Familie oder dem Freundeskreis gemacht. (vgl. Gualdi et al. 2008; Wilhelm 2009) Gerade in der vulnerablen Jugendzeit, welche durch Entwicklungsanforderung, Krisen und Veränderung geprägt ist, kann eine Häufung belastender Lebensereignisse, neben weiteren Risikofaktoren, wie nicht vorhandene soziale Unterstützung, fehlende Geschlechterrollenkonformativität sowie inner- und außerfamiläre Viktimisierungs- bzw. Diskriminierungserfahrungen bei homosexuellen Jugendlichen zu psychischen Störungen und Suizidversuchen führen. Auch wenn Homosexualität als Risikofaktor für Suizidalität oft noch ignoriert oder bagatelisiert wird, so zeigen Metaanalysen unterschiedlicher Studien, dass Jugendliche, welche nicht in die heterosexuelle Norm einzuordnen sind, im Vergleich zu ihren heterosexuellen AlterskollegInnen eine signifikant höhere Anzahl von Selbstmordversuchen aufweisen. Einige Studien deuten auch darauf hin, dass bei homosexuellen Menschen körperliche Erkrankungen ebenfalls häufiger auftreten als bei heterosexuellen. (vgl. Holtkamp, K./Herpertz-Dahlmann 2001; Plöderl et al. 2007, 2013) Auch wenn die Suizidrate in den letzten Jahren in Österreich deutlich gesenkt werden konnte, versterben in Österreich jedes Jahr noch etwa 1.200 Menschen an einem Selbstmord, was dies zu der häufigsten Todesursache bei den unter 40-jährigen macht. Das Fehlen einer einheitlichen Präventionspolitik und die nicht oder kaum vorhandene Koordination zwischen Bund und Ländern, erschwert zusätzlich, dass Jugendliche im Kontext des schulischen Bildungsauftrages von suizidpräventiven Maßnahmen erreicht werden. (vgl. BMG 2011) Da die Absicht des Selbstmordes nicht immer explizit sichtbar ist und oft ambivalent oder unklar sein kann, ist das Wissen um die störungsrelevanten Rahmenbedingungen essenziell um präventiv handeln zu können. (vgl. Holtkamp, K./Herpertz-Dahlmann 2001) Bisherige Erklärungsansätze für das erhöhte Risiko für Depression und Suizidalität bei homosexuellen Jugendlichen betonen vor allem den Minoritätenstress, welchem die Jugendlichen ausgesetzt sind. Nicht nur konkret erlebte Diskriminierungs- und Gewalterfahrungen spielen hier eine Rolle, sondern auch ständige Angst vor Diskriminierung, die Notwendigkeit der Verheimlichung der eigenen sexuellen Identität, sowie internalisierte Homophobie (Übernahme von negativen Einstellungen zu Homosexualität aus dem sozialen Umfeld) der homosexuellen Jugendlichen selbst tragen zum Leidensdruck der Betroffenen bei. Jedoch nicht nur homosexuelle Jugendliche sind Opfer von Homophobie, so zeigen Studien auf, dass die Mehrzahl von Jugendlichen, welche Homophobie ausgesetzt sind, sich selbst als heterosexuell verstehen und Homophobie nicht sich nur auf sexuelle Minoritäten beschränkt ist. (vgl. Plöderl et al. 2009)

Literatur:

Bundesministerium für Gesundheit (2011): Supra. Suizidprävention Austria.- Online im Internet : http://www.bmg.gv.at/cms/home/attachments/0/1/5/CH1099/CMS1348578975700/supra_gesamt10092012.pdf  [Stand 2013-24-7]

Holtkamp, K./Herpertz-Dahlmann, B.: Suizide und Suizidversuche im Kindes- und Jugendalter.- In: Monatsschrift Kinderheilkunde, 2001, Vol.149(7), pp.717-729.

Miles, Gualdi/Matteo, Martelli/Wolfgang, Wilhelm/Robert, Biedroń/Margherita, Fraglia/Luca, Pietrantoni: Bullying in der Schule. Ein Leitfaden für LehrerInnen und Schulpersonal.- Bologna: Arcigay, 2008. Online im Internet: http://www.wien.gv.at/queerwien/pdf/bullying-schule.pdf [Stand 2013-24-7]

Miles, Gualdi/Matteo, Martelli/Wolfgang, Wilhelm/Robert, Biedroń: Bullying im Klassenzimmer. Wie du es bekämpfen kannst.-  Bologna: Arcigay, 2008. Online im Internet: http://www.wien.gv.at/queerwien/pdf/bullying-klassenzimmer.pdf  [Stand 2013-24-7]

Martin Plöderl/Reinnhold Fartacek: Childhood Gender Nonconformity and Harassment as Predictors of Suicidality among Gay, Lesbian, Bisexual, and Heterosexual Austrians.-  New York: Springer, 2007.

Plöderl, M./Kralovec, K./Fartacek, C./Fartacek, R.: Homosexualität als Risikofaktor für Depression und Suizidalität bei Männern. In: Blickpunkt der Mann 2009; 7.

Martin, Plöderl/Eric-Jan, Wagenmakers/Pierre, Tremblay/Richard, Ramsay/Karl, Kralovec/Clemens, Fartacek/Reinhold, Fartacek: Suicide Risk and Sexual Orientation. A Critical Review.- New York: Springer, 2013.

Wolfgang, Wilhelm: Bullying in der Schule. “Anders”-Sein als Risiko?. Sexuelle Orientierung und Diversity im Schulalltag.- Wien: Wiener Antidiskriminierungsstelle, 2009.